⚠️ FSK 18 – homoerotische Inhalte
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Der Waschkeller in unserem Haus war der unfreundlichste Raum, den ich kannte. Niedrige Decke, nackte Glühbirnen, ein Geruch irgendwo zwischen Waschpulver und feuchtem Beton. Drei Maschinen standen an der Wand, auf einer klebte seit Monaten ein Zettel: „DEFEKT – Hausverwaltung ist informiert“.
Wer hier unten waschen wollte, brauchte Geduld oder einen guten Plan. Meiner war einfach: Sonntagabend, kurz nach acht. Da war nie jemand.
An diesem Sonntag war jemand. Schon auf der Kellertreppe hörte ich das Schleudern, ein dumpfes Rumpeln, das durch das ganze Untergeschoss zog. Mit meinem Wäschekorb auf der Hüfte blieb ich in der Tür stehen. Beide Maschinen liefen. Davor saß ein Mann auf einem umgedrehten Wäschekorb, die Ellbogen auf den Knien, das Handy in der Hand.
„Sorry“, sagte er und sah auf. „Ich glaub, ich hab dir gerade den Abend versaut.“
Ich kannte ihn vom Sehen. Er war vor ein paar Wochen in die Wohnung unterm Dach gezogen, ich hatte ihm einmal im Treppenhaus die Tür aufgehalten, als er mit zwei Umzugskartons nicht weiterkam. Mehr als ein „Danke“ war damals nicht drin gewesen. Jetzt saß er hier in grauen Shorts und einem ausgewaschenen schwarzen Shirt, barfuß in Badelatschen. Anfang dreißig vielleicht, dunkle Locken, die ihm in die Stirn fielen, ein Dreitagebart, der eher nach Faulheit als nach Absicht aussah. Breite Schultern. Unterarme, denen man ansah, dass er mit den Händen arbeitete.
„Kein Problem“, log ich. „Wie lange brauchst du noch?“
Er warf einen Blick auf die Displays. „Die hier neun Minuten. Die andere… vierzig?“ Er verzog entschuldigend das Gesicht. „Ich hatte zwei Wochen keine Zeit. Das ist so ziemlich alles drin, was ich besitze.“
Ich hätte wieder hochgehen können. Das wäre das Vernünftigste gewesen. Stattdessen stellte ich meinen Korb auf den Boden und lehnte mich gegen den alten Wäschetrockner, der hier unten nur noch als Ablage diente. „Dann warte ich eben“, sagte ich. Und dachte: „Was machst du da eigentlich?“
„Ich bin übrigens Malte“, sagte er.
„Daniel.“
Er erzählte, dass er Tischler war und gerade auf einer Baustelle am anderen Ende der Stadt Treppen einbaute, jeden Tag von sechs bis sechs. Dass er eigentlich eine eigene Waschmaschine gehabt hatte. „Hatte“, betonte er. „Meine Ex hat sie behalten. Und die Wohnung. Und den Kaffeevollautomaten. Das tut ehrlich gesagt am meisten weh.“
Ich musste lachen. Er lachte mit, und dabei bildeten sich kleine Falten um seine Augen. Seine Ex. Ich speicherte das ab, ohne zu wissen, warum, und ärgerte mich gleich darüber. Typen wie er hatten Exfreundinnen. Und ich hatte Fantasie. Mehr nicht.
Die Luft im Keller wurde mit jeder Minute wärmer. Die Maschinen heizten den kleinen Raum auf, und irgendwann zog Malte sein Shirt am Saum hoch, um sich damit über das Gesicht zu wischen. Nur für einen Moment. Lange genug, um einen flachen Bauch zu sehen, eine dunkle Spur Haare, die unter dem Bund seiner Shorts verschwand. Ich sah weg. Zu spät, wahrscheinlich. Ich spürte, wie mir warm wurde.
Erst als er das Shirt wieder glatt strich, fiel mir der Aufdruck auf. Ein verblasstes Logo, eine Band, die außer mir vermutlich niemand in diesem Haus kannte. Am Ärmel ein kleiner Riss, den ich selbst verursacht hatte, an einem Zaun auf einem Festivalgelände vor sechs Jahren.
„Das ist meins“, sagte ich.
Malte sah an sich herunter. „Was?“
„Das Shirt. Das hab ich vor zwei Wochen hier unten vergessen. Ich hab die halbe Wohnung danach abgesucht.“
Für einen Moment sah er tatsächlich ertappt aus. Dann grinste er, langsam, mit einem Mundwinkel zuerst. „Es lag ganz allein in der Trommel“, sagte er. „Ich dachte, das hat jemand ausgesetzt. Und es hat gepasst.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich hab’s seitdem ziemlich oft angehabt, ehrlich gesagt.“
„Ziemlich oft“, wiederholte ich.
„Willst du’s zurück?“
Bevor ich antworten konnte, stand er auf, griff mit beiden Händen nach dem Saum und zog sich das Shirt über den Kopf. Einfach so, mitten im Waschkeller, unter der nackten Glühbirne. Seine Locken standen danach in alle Richtungen ab. Er hielt mir das Shirt hin, mit ausgestrecktem Arm, und machte keine Anstalten, sich irgendetwas anderes anzuziehen.
Ich nahm es. Der Stoff war warm. Er roch nicht mehr nach mir, sondern nach ihm, nach Holz und Schweiß und einem Deo, das ich nicht kannte. Ich hielt es in der Hand und wusste nicht, wohin mit meinem Blick. Auf seine Brust war keine Option. Auf sein Gesicht noch weniger, denn er sah mich an, als würde er auf etwas warten.
Hinter ihm piepte die erste Maschine dreimal. Keiner von uns drehte sich um.
„Die andere braucht noch eine halbe Stunde“, sagte Malte schließlich. Seine Stimme war leiser als vorher. „Hier unten ist es ziemlich warm. Oben hab ich Bier kalt stehen.“ Er machte eine kurze Pause. „Und auf dem Balkon noch zwei Stühle. Die hat sie mir gelassen.“
Ich sah auf meinen Wäschekorb. Dann auf ihn. „Und meine Wäsche?“
„Die läuft dir nicht weg.“ Er nahm sein Handy vom Wäschekorb, ging an mir vorbei zur Tür und blieb dort stehen. Nah genug, dass ich die Wärme seiner Haut spüren konnte. „Das Shirt kannst du mitbringen“, sagte er. „Falls ich’s mir zurückholen will.“
Dann ging er die Treppe hoch, ohne sich umzudrehen. Ich stand noch einen Moment zwischen den Maschinen, das warme Shirt in der Hand, und hörte seine Badelatschen auf den Stufen. Mein Herz schlug so laut, dass ich das Schleudern kaum noch hörte. „Er meint das nicht so“, sagte ich mir. „Und wenn doch?“
Ich ließ den Wäschekorb stehen. Als ich die Treppe hochging, klickte hinter mir die Zeitschaltuhr, und das Licht im Keller ging aus.


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